Ironman Frankfurt - Schwimmen, Radfahren und Laufen bei tropischen Temperaturen: Jan Frodeno hat sich erstmals die Ironman-Krone von Frankfurt aufgesetzt. Das Duell mit Sebastian Kienle entscheidet er dabei klar für sich – mit einer Weltklasse-Zeit.

Bei den Frauen gewann die Schweizerin Daniela Ryf ebenfalls mit Streckenrekord. Die WM-Zweite kam in einer Zeit von 8:51:00 Stunden ins Ziel. Sie war damit 24 Sekunden schneller als die Britin Chrissie Wellington vor sieben Jahren. Zweite wurde am Sonntag Julia Gajer aus Ditzingen.

       

Auch 4 MRRCler überqueren die Ziellinie in diesem historischen Rennen!

 

Position Age Group Name Total
17. Bernhardt, Annette  14:46:10
69. Klein, Christian 11:17:45
186.  Frodermann, Nik 12:46:29
230. Bernhardt, Rainer  13:01:23

 

Ein Bericht von Rainer Bernhardt...

2 Tage Abstand. Das Gehirn läuft noch nicht wieder rund. Tropft mehr so vor sich hin. Nicht, dass ich in Gedanken noch in Frankfurt wäre. Es ist eher so, als ob sich die verbliebenen Gehirnzellen auf dem Sofa versammelt hätten und trübe nach draußen schauen. Einfach so. Ohne Grund.

Abspaltung. Um bei dieser Hitze weiter machen zu können, muß man sich aufteilen. Körper trennen von Geist, Ratio von Emotion. Nutzen, was gerade fliegt - mal heißt es, "es ist machbar", mal freust Du Dich gen Ziel.

Schwierig nur, das alles jetzt wieder unter einen Hut zu kriegen. Gedanken und Emotionen schiessen ein wie Blitze. Mitten im Gespräch. Dein Blick schweift. Du bist nicht wirklich sicher, dass das alles passiert ist, dass Du dabei warst, dass Du es geschafft hast. Zu unwahrscheinlich, zu unmenschlich. Der heißeste Tag. Ever. Meine zweite Langdistanz.

Jedem, der angesichts dieser Temperaturen gesagt hätte, er gehe laufen oder radeln, hätte ich für verrückt erklärt - hat aber keiner. Sollten meine Kinder mal auf die Idee haben, eine Langdistanz bei diesen Bedingungen zu machen, würde ich es ihnen verbieten - oder sie enterben. Mich selbst konnte ich nicht enterben - Pech.

Ich weiß nicht mehr genau wann, aber irgendwann 1-2 Tage vorher setzt eine Ergebenheit ein. Man weiß, es wird warm. Man fügt sich. Schwimmstart mit 2.500 anderen - mittlerweile auch egal. Ohne Neo? So, what! Mit Gewichten an den Füssen in den See? Yeah, be my guest.

Laut Duden ist ein Held u.a. "jemand, der sich mit Unerschrockenheit und Mut einer schweren Aufgabe stellt, eine ungewöhnliche Tat vollbringt". Ersetze "Unerschrockenheit und Mut" durch "Ignoranz" und fertig ist der IronMan.

Der Massenstart ist toll. Zumindest aus der Perspektive der Kamera-Drone. Wow. Gänsehaut. Aus Sicht des blau bekappten Lemmings eher beklemmend. Schläge. Auf die Waden, die Unterarme, den Kopf. Nase bleibt verschont. Glück.

Bei 2.500 Athleten nach 3,86km ausgerechnet genau neben der eigenen Frau aus dem Wasser zu steigen - Zufall. Und Glück. Es geht ihr gut. Nicht verletzt.

Das Ziel dieses Jahr war "just finish" - zu belastet war das Training, am Umfang hat's auch gefehlt. Ein 10-Minuten Stop in T1 inkauf genommen - Sonnencreme, was nur geht.

Runde 1 auf dem Rad ein Hochgefühl. Trotz Hitze ein Schnitt über 30km/h - gut. Demut auf der zweiten Runde. War es bisher schon heiß, lag Friedberg jetzt in der Sahara. Heißer Wind. Das schwarze Metall der Bremshebel fast nicht mehr anzufassen. Wenige noch auf dem Auflieger. Wenn, dann aus Erschöpfung. Viele aufrecht auf den Pads. Trauben von Athleten, die an improvisierten Duschen ihre Flaschen füllen. Von Bad Vilbel runter nach Frankfurt keine 3 mehr vorne auf dem Tacho. Keiner überholt mich. Allen geht's ähnlich. Ich rolle nur noch nach T2. Marathon? Warum?

Laufe trotzdem los. Noch hat der Körper außer Müdigkeit keine Signale gesendet. Also los. Nutrition auf dem Rad ging zwar schief und mittlerweile geht außer Cola auch nichts mehr. Aber, egal. Ergebenheit. Die Anfeuerung und die Helfer sind der Wahnsinn. Nochmal: der Wahnsinn. Bei der Hitze. Stun-den-lang. Un-er-müdlich. Freundlich. Aufbauend. Was genau dopt ihr da in Hessen? Nur für den Fall, dass es einer noch nicht mitbekommen hat: der Wahnsinn. Ohne all diese Menschen wäre das nicht möglich gewesen. IronMan-Maker. Ich hoffe, die Wasserwerke geben einen Sondertarif für all diejenigen, die an diesem Tag mit Gartenschläuchen, Flaschen, Brausen, Eimern, Spritzpistolen an der Strecke standen. Humanitäre Hilfe.

Runde 1 gelaufen. In welcher Zeit? Falsche Frage, setzen, sechs. Habe eine kleine Flasche dabei. Diese wird an jeder Versorgung mit Wasser und Eis aufgefüllt. Kühlung alle 60 Sekunden. Mal der Kopf, mal die Waden, das Gesicht, die Brust. 14 Tonnen Eis sind an der Strecke. Neue Erfahrung - man spürt die Kälte tatsächlich nicht sofort auf der Haut. Nur, wenn's von vorne oder hinten in den Schritt rutscht, ist es unangenehm. In der zweiten Runde gehe ich 1km und behalte das in Runde 3 und 4 bei - Deal mit dem eigenen Körper.

Endlich: das rote Band. Einbiegen in den Zielkanal. Die ältere Dame registriert die Vollständigkeit der Bänder, dann feuert sie mich an, als wäre ich der Führende. Sie sitzt dort schon seit Stunden. In der Hitze. Eine Wahnsinnige.

Zum Zielkanal und dem Einlauf auf dem Römer gibt's nichts zu sagen. Kann ich kaum beschreiben. Ja, richtig, auch hier ist keiner wirklich normal. Muß man erleben.

Der Catcher empfängt mich, ich bekomme meine Medaille, er führt mich in den Athletes' Garden. Erstversorgt. Alkfreies Weißbier ist zu wenig vor Ort. Gepriesen sei Erdinger und unser Wohlstand in Bayern!

Warten auf Annette. Ihr ging's nicht gut. Sie geht. Prognose: kurz vor Zielschluß. Nochmal Aufregung. Umsonst. Sie schafft's. Auch eine Wahnsinnige.

Der Race Director wird am nächsten Tag die Athleten für ihre Besonnenheit loben und als eine Werbung für unseren Sport hervorheben. Wir alle sind stolz. Und es gibt einige, die trotz dieser Bedingungen unglaubliche Bestzeiten erzielt haben. Miriam, Steffi. Wahnsinnige. Auch hier. Frodo ist einer von ihnen. Aber ein sehr glücklicher. So wie ich.

Mir liegt Wettkampf bei großer Hitze. Habe aber trotzdem dort am Sonntag bei km 140 auf dem Rad mit dem Traum von Kona abgeschlossen.

Nicole Bretting und Julia Gajer werden jedoch beide hinterher sagen, das sei härter gewesen als in Kona. Die Gehirnzellen auf dem Sofa kommen ins Grübeln - Ignoranz? Held? IronMan? Wahnsinn.

Vielleicht gibt's auf Big Island ja auch Hessen. :-)