Hier der Bericht von Katharina Weimer, die beim Internationalen Läuferzehnkampf in Hengelo  den 7. Gesamtplatz der Frauen und den 1. Platz in der Altersklasse W35 erzielte. Ebenso ist der langjährige Teilnehmer Franz Mayer-Gebhart auch dieses Jahr für die LG Stadtwerke München gestartet und belegte den 42. Gesamtplatz der Männer und den 1. Platz in der Altersklasse M60.

Der Läuferzehnkampf findet jedes Jahr an einem anderen Ort statt. Nächstes Jahr (2018) gehts nach Winterlingen, da werden die Ausreden angesichts der Nähe zu München schon kleiner. Der Läuferzehnkampf, oder auch L10K, setzt sich zusammen aus zehn Laufwettkämpfen auf der Bahn, die innnerhalb von 3,5 Tagen absolviert werden.

Tag 1:  60m, 1500m, 400m
Tag 2:  100m, 300m, 800m
Tag 3:  200m, 500m, 1000m
Tag 4:  10.000m

Die Sprints werden direkt morgens absolviert, der darauffolgende lange Wettkampf findet recht kurz danach statt, der Nachmittagslauf erst nach ca. 2-3 Stunden Pause, je nach Einteilung. Gewertet wird nach einem extra für den L10K entwickelten Punktesystem. Hierbei wird relativ schnell deutlich, dass Sprinter und Mittelstreckler aufgrund dieser Wertung leicht im Vorteil sind, da man auf den kurzen Strecken mit relativ wenig Aufwand ziemlich viele Punkte holen kann. Für uns Langstreckler ist das eher mühsam auf den langen Distanzen. Extrem positiv ist die Renneinteilung: man wird nach gemeldeten 60/1500/400m Zeiten in die Heats eingeteilt. Wenn man keine Zeit gemeldet hat, wird man am ersten Tag jeweils in den letzten Lauf jeder Disziplin gesteckt. Danach aber wird mittels einer aufwändigen Software berechnet, wie man auf den zukünftigen Distanzen derselben Kategorie abschneidet und die Läufer werden basierend auf diesen Berechnungen in die Heats eingeteilt. Das führt dazu, dass man nahezu immer in einem ähnlich starken Umfeld läuft, wodurch die Zeiten relativ gut sind und man immer jemandem zum "fighten" in seinem Lauf hat. Es nehmen Läufer aller Altersklassen und aller Disziplinen teil. Unser jüngster Teilnehmer war ca. 15, der älteste 89.

Eine spezielle Vorbereitung habe ich nicht unternommen für dieses Event. Allerdings habe ich ein paar Mal den Start aus dem Startblock geübt – für Langstreckler doch etwas ungewohnt. Es galt immerhin, ein DNF über die 60m aufgrund von Gesichtsbremse auf den ersten Metern zu verhindern! Ansonsten ist der Tiefstart eher nicht so mein Ding. Senioren (dieses Mal ab AK35) dürfen auch Hochstart machen, das ist aber jedes Jahr unterschiedlich. Ansonsten habe ich nur mein "normales" Training gemacht und entsprechend getapered. Als Taktik wurde mir von einem "alten Hasen" des L10K, Franz Mayer-Gebhardt, mitgegeben "Auf den 60m nicht verletzen, danach immer nur Vollgas!" Guter Rat, ich konnte die Verletzung auf den 60m vermeiden, ein anderer Läufer nicht, für den war das Event nach 5 Sekunden gelaufen.

Nun mal in medias res. Ich dachte immer, für einen Langstreckler könne ich ganz gut sprinten. Dem mag so sein, was aber nicht dazu führt, dass ich auch nur ansatzweise schnell bin auf 60m. Auch nicht auf 100m. Oder auf 200m. Meine Unfähigkeit zu sprinten wurde mir leider jeden Morgen wieder vor Augen geführt. Knie hoch und Bein lang nach hinten? Nö, doch nicht als Lansgtreckler. Habe sogar filmisches Beweismaterial meiner Unfähigkeit. Immerhin wurde ich nicht Letzte. Kurz nach dem Sprint folgten schon die 1500m. Das Rennen lief leider taktisch schlecht, ich habe mich direkt nach hinten drängeln lassen, musste dann mehrere überholen, egal ob Kurve oder nicht. Das kostet Kraft und Zeit und so lief es dann auch zeitlich nicht so toll. Dafür war die Motivation für den 400er absolut top. Viel Zeit, sich mit den vergangenen Rennen zu beschäftigen, hat man ohnehin nicht. Und so nette Diskussionen, wie ich sie aus München kenne, der Art "Ich brauche einen Pacer", "Ich brauche einen Rundenzähler", "Ich brauche einen Zeitansager", "es ist zu warm", "es ist zu kalt" (ersetzen durch windig, nass, trocken, irgendwas), relativieren sich bei der dichten Abfolge der Wettkämpfe eh sehr schnell. Also auf zu den 400. Netterweise hatte ich eine der inneren Bahnen und konnte beobachten, was meine Konkurrentinnen machten. Ein Tempo hatte ich mir nicht vorgenommen, bin ja noch nie 400m gerannt. Und merkte schnell, dass "Suicide Pace" wohl die richtige Pace für 400m ist. Puh. Nach 300m war ich in Führung liegend – aber da kam ja noch die ganze Zielgerade! Ich dachte, meine Beine quittieren gleich den Dienst. So schnell konnte ich doch gar nicht laufen! Aber ich bin heil (und siegreich in meinem Lauf) ins Ziel gekommen und musste mich erstmal pumpend auf die Bahn schmeißen. Autsch.

Das wars für heute, abends hat der Veranstalter die Besichtigung eines Milchbauernhofs mit Käserei organisiert – yummy!

Neuer Tag, neues Glück. Zwar nicht bei den 100m (Knie hoch war immer noch nicht meins...), aber danach kamen wir ja langsam zur Langstrecklerkür mit den 3000m, wobei ich zu diesem Zeitpunkt die folgenden 800m noch ausblendete. Mittlerweile wars auch krachig warm auf der Bahn, mittags ca. 35 Grad. Bei 3000m hat man schon genügend Zeit, sich ordentlich heißzulaufen. Das Rennen lief ohne große Ereignisse, ich war in einer guten Gruppe und merkte langsam, dass die Sprinter und Langsprinter (von denen doch recht viele mit dabei waren) nicht mithalten können und bekam Aufwind und Zuversicht für die kommenden Tage. Auch die 800m nachmittags liefen recht gut, hart wie immer. Es wundert mich nach wie vor, was man mit den Vorbelastungen noch auf die Strecke bekommt. Und wie die Beine trotz der Beanspruchung doch wieder wirbeln können. Hinzu kommen ja die ganzen Kilometer fürs Aufwärmen, Abwärmen, Laktat Raustraben, etc. Der Tag war vorbei, er lief besser als der erste Tag. Abends durften wir an einer Stadtführung teilnehmen (nein, leider nicht auf Segways, aber Hengelo ist nicht sonderlich groß).

Langsam wirds ernst, langsam werden die Beine müde. Ich hatte mir vorher gedacht, dass es sich wie Trainingslager anfühlt, aber weit gefehlt. Der ganze Körper ist müde, aber irgendwie können die Beinchen immer noch. Das Einlauftempo ist schneckengleich, aber sobald der Schuss ertönt, wird gerannt! Nein, bei den 200m immer noch nciht schnell genug, aber ich setzte auf die 5000m! Leider waren die in der Mittagshitze, auf der Bahn wurden 43 Grad gemessen. Für uns Langstreckler begann endlich die Kür, und das mit den ganzen Wettkämpfen in den Beinen und in der Lunge. Trotzdem wollte ich mir keine Blöße geben und bin gerannt als gäbs kein Morgen. Und das erste Mal aufs Treppchen! 3. Frau gesamt! Bisher war ich maximal 7. geworden (bei den 1500), aber nun konnte ich wirklich meine Stärken ausspielen. Auch die Gesamtplatzierung wurde interessanter, ich war nicht mehr so um die 15., sondern bewegte mich in Richtung 12. Insgeheim hatte ich auf eine Top10-Platzierung spekuliert (bei 31 Teilnehmerinnen). Danach kam dann "nur noch" der 1000er für den dritten Tag. Auch eine für mich neue Disziplin, die ich vorher nicht einordnen konnte. Als Orientierung wollte ich etwas langsamer (ca. 1-2 Sekunden pro Runde) als die 800 angehen. Das ging auch super auf und ich konnte wirklich fantastisch rennen, trotz der anhaltenden Hitze und der müden Beinchen. Die 1000m waren für mich eine der größten Überraschungen, zusammen mit dem 400m, dieses Events. Zufrieden genoss ich die Läuferparty abends im schönen Fanny Blankers-Koen Stadium, wo schon Weltrekorde gelaufen wurden. Jetzt standen nur noch die 10.000 aus und auch das würden wir hinkriegen.

Allerdings konnte ich mich nicht ausruhen und lediglich ums Überleben antreten, sondern ich wollte noch eine ordentlich Zeit und Performance hinlegen. Schließlich war das meine Paradedisziplin! Vorab hatte ich mit Franz ausgemacht, dass wir ordentlich bolzen wollten, aber etwas Hitze-angepasst (morgens schon über 30 Grad auf der Bahn) – ja, wiede Suicide Pace, aber erst gegen Ende sterben. So haben wir uns 20 Runden lang in der Führungsarbeit abgewechselt, fast jede Runde habe ich mich mit Schwamm und Becher nass gehalten, um den Körper irgendwie runterzukühlen. Es hat sich ausgezahlt, ich bin wieder auf den 3. Platz gerannt! Und damit auf Platz 7 der Gesamtwertung!

Es war ein fantastisches Erlebnis, eine große mentale und körperliche Herausforderung und ich bin froh, dass ich mich jetzt erstmal ausruhen kann – das ist bitter nötig. Ich kann das Event nur wärmstens empfehlen, eine tolle Gemeinschaft wartet da auf einen. Es geht nicht um Keilerei auf der Bahn und wer unbedingt gewinnt. Jeder unterstützt jeden und ja, es wird gefighted auf der Bahn – und danach wird gratuliert und sich gefreut für alle anderen! Ich freue mich schon auf nächstes Jahr in Winterlingen!

Zur Information füge ich meine Zeiten und meine PBs (in Klammern dahinter) bei – ist ja ganz interessant, was man noch so bolzen kann.. Die Hitze hat insbesondere auf den 10.000 dann doch zugeschlagen.

60m: 9,91 (n/a)
1500m: 5:35,25 (5:27)
400m: 73,24 (n/a)
100m: 16,32 (n/a)
3000m: 11:53,18 (11:45)
800m: 2:45,33 (2:42)
200m: 34,31 (n/a)
5000m: 20:50,11 (20:07 Straße)
1000m: 3:33,17 (n/a)
10.000m: 43:29 (41:16 Straße)

Alle Ergebnisse findet ihr hier.